Das Ende der Unterdrückung von Müttern planen

Von Jerry Ann Yoder

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  Vor zwei Jahren habe ich gemerkt, dass es nötig ist zusammen mit Müttern die Befreiung von Müttern anzuschauen. Die Elternarbeit, die wir machten, war hilfreich, aber bisher war sie hauptsächlich darauf konzentriert, wie wir "bessere Eltern sein können". Was ich mir anschauen wollte war die Elternunterdrückung - im Besonderen jedoch die Unterdrückung von Müttern. Es schien mir, obwohl Elternunterdrückung beide trifft, Mütter und Väter, dass die Unterschiede in unserer Ausbildung, unseren Lebensbedingungen und Erwartungen, als einem Resultat von Sexismus, eine besondere Auswirkung auf uns hatte und eine getrennte Gruppe rechtfertigten.

Ich bat drei Mütter, die innerhalb von NC leiteten, sich mit mir zu treffen. Unser Lebensumfeld überschnitt sich in keiner Weise außerhalb von NC. Eine von uns ist aus der Arbeiterklasse, zwei wuchsen in der Arbeiterklasse auf und leben gegenwärtig einen Mittelschichtsstil, und eine wuchs in der Mittelschicht auf und lebt gegenwärtig ein Leben der Arbeiterklasse. Drei von uns haben keine bezahlten Jobs außer Haus und eine arbeitet teilzeit außerhalb. Wir haben alle je zwei Kinder in unterschiedlichem Alter zwischen 2 und 10 Jahren. Zwei von uns sind in Tim Lippers Klasse für "Junge Leute" dabei . 

Ich stellte mir vor das ein sechs bis achtwöchiger Kurs reichen würde und wir danach zum Elternkurs zurückkehren würden. Nun treffen wir uns schon seit zwei Jahren etwa wöchentlich und das hat einen grundlegenden Einfluß auf unser Leben gehabt UND kürzlich wurde deutlich, dass es eine starke Auswirkung auf die ganze (NC) Gemeinschaft in Maine[1] hat. Laßt mich euch ein bißchen darüber erzählen, was wir gemacht haben und über einige der Einsichten, zu denen wir gekommen sind.

Als ersten Schritt die Isolation beenden

Da Isolation ein bedeutender Teil von allen Unterdrückungen zu sein scheint und insbesondere ein Schlüssel zur Unterdrückung von Müttern, forderte ich die Leute im Kurs dazu auf, dass wir alle täglich in Kontakt mit mindestens einer anderen Person aus dem Kurs sein sollen. Alle stimmten zu, dass das Sinn macht. Aber natürlich fanden wir bald heraus, dass das viel leichter gesagt als getan war. Wir nutzten viel unserer Counseling-zeit im Kurs dazu, uns gegenseitig näher zu kommen und das Vortäuschen (so tun als ob) darüber wie nah wir uns wirklich sind, zu entlasten. Am Ende der acht Wochen war offensichtlich, dass die Isolation zusammen mit unserer Akzeptanz derselben und dem Vortäuschen von Nähe, so tief gehen, dass intelligente, kontinuierliche Arbeit nötig war. Die Leute waren nicht in der Lage, sich gegenseitig regelmäßig anzurufen, selbst mit verabredeten Zeiten und Vereinbarungen, und überhaupt nicht, wenn es zu Hause schwierig wurde. So war es mit dreien von uns. Glücklicherweise hatte eine Mutter, Donna Cavallaro, Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet und rief mich in den letzten zwei Jahren ungefähr jeden Wochentag morgens an. Manchmal gibt es starke Entlastung, machmal plaudern wir nur über unseren Tag, manchmal haben setzen wir uns Ziele. Es gab Zeiten, in denen es so aussah, als ob es wirklich keinen Grund gab jeden Tag zu telefonieren, aber uns wurde klar, dass der tägliche Kontakt einen Widerspruch zu der Isolation lieferte, so dass wir weiterkamen, wenn wir miteinander counseln.

 Anderthalb Jahre gingen vorüber, in denen die Mütter bereit waren die Vereinbarung zu treffen, wöchentlich zusammen zukommen und mit einer langsam wachsenden Fähigkeit zwischendrin in Verbindung zu bleiben. Ich hatte immer das Gefühl, dass wenn ich dem Vortäuschen darüber wie nah wir uns sind, erlaubte sich einzuschleichen, würde die Gruppe sich auflösen, also haben wir weiter hart daran gearbeitet, uns wirklich nah zu kommen. Es hat lange gedauert, aber jetzt haben wir ein starkes Gefühl dafür, das unsere Verbindung real ist und halten wird. (Die Stärke unserer Vereinbarung untereinander und was wir tun mußten, um das zu erreichen, war ein Vorblid für viele Leute aus der Maine-Gemeinschaft.) Ich kann nicht sagen, dass wir an dem Punkt sind "Eine für alle und alle für eine", aber ich denke, wir können sehen, dass das eine Möglichkeit ist, und haben angefangen darüber zu entlasten, was das bedeutet.

Dem Vortäuschen („so tun als ob“), gegenüber wachsam bleiben

Das Versprechen gegen Vortäuschung[2] war sehr hilfreich für uns. Es ist offensichtlich, dass wir völlig inkompetent und völlig unzulänglich sind mit den Herausforderungen umzugehen, die uns die Realität stellt. Wie auch immer ( glücklicherweise oder unglücklicherweise) scheinen wir die bestgeeigneten, Leute zu sein, die gerade verfügbare sind. Es war sehr hilfreich einen Blick auf die Realität des Lebens junger Menschen zu werfen, die keine erwachsenen Verbündeten haben - der Tatsache ins Auge zu blicken, wie das Leben unserer Kinder ohne uns aussähe.

Viele von uns haben festgestellt, dass innerhalb von NC viele Co-counseler ihre Hoffnung auf uns setzen und erwarten, dass, weil wir Co-counseler sind, wir unsere Kinder unbedingt nach NC-Praxis und - Grundsätzen aufziehen. Wir hatten das Gefühl, dass, weil wir Co-counseler sind, wir perfekte Eltern sein MÜSSTEN. In diesem Kurs haben wir viel von diesem gegenseitigen "so tun als ob" niedergerissen. Wir fingen an, die Tatsache zuzugeben und zu entlasten, dass wir oft keine "special time" machen (Extra-Zeit in der wir Kindern ungeteilte und möglichst dominierungsfreie Aufmerksamkeit geben) und das wir Zuflucht suchen zu vielen nicht NC-Methoden, um als Mütter durchzukommen. Und kürzlich ist die Sicherheit größer geworden, so dass die Leute anfangen, über die "wirklich mißbräulichen Dinge" zu sprechen, die wir als Eltern getan haben. Dies ist erst in den Anfängen und ist sehr spannend, da es uns ermöglicht mit der Entlastung, der schrecklichen Schuld und Angst zu beginnen, die uns eingeschlossen hielt und die es schwer für uns machte, die Verletzungen dort aufzuräumen. Ich bin gespannt auf die Möglichkeiten, die sich uns die nächsten paar Monate bieten.

Wir beginnen nun, in der Lage zu sein, die falschen Erwartungen, die uns in der Gemeinschaft begegnen, anzugehen und möglichen Verbündeten genauere Informationen zu geben. Ich empfinde mich selbst zunehmend als eine Sprecherin für Eltern, sowohl innerhalb als auch außerhalb von NC.

Erinnere dich, dass eine Unterdrückung im Gange ist

Ich entschied gleich zu Anfang, dass dieser Kurs kein Kurs sein würde " Um ein besserer Elternteil zu werden!". Es sollte stattdessen ein Kurs über Mütterbefreiung sein. Ich entwarf jedes Thema, das wir diskutierten, in Begriffen von Elternunterdrückung und -befreiung. Ich widerstand der Versuchung, Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den eigenen Kindern aus der Sicht anzugehen, "was passierte dir als Kind, dass eine solche Schmerzaufzeichnung stattfand". Obwohl es sicherlich wichtig ist, über unsere eigene frühe Kindheit zu entlasten, habe ich es hilfreicher gefunden, einen Schritt zurückzutreten und einen weiteren Blick auf den gegenwärtigen Zustand der Welt und auf Elternschaft zu werfen. Sitzungen, die aus diesem Blickwinkel begannen, endeten oft damit, dass Menschen an ihren frühen Verletzungen arbeiteten, aber der Widerspruch zur Elternunterdrückung war auch da.

Bei einigen Menschen hat es eine Weile gedauert, bis sie in der Lage waren, sich zu erinnern, dass die Schwierigkeiten nicht nur wegen ihrer persönlichen Schmerzaufzeichnungen da sind, sondern auch, weil eine Unterdrückung im Gange ist. Wir hatten Vergnügen an der folgenden Richtung (mit Anmerkungen): "Wir stecken knietief in der Scheiße (gegen die Vortäuschung) wegen der Unterdrückung (um auf die Unterdrückung als die Quelle der Schwierigkeit, und weg von uns selbst zu weisen). Ich will mich damit nicht zufriedenstellen lassen (von dem Frauenversprechen) und ich will gut zu mir sein (um   eigenen Schuldgefühlen zu widersprechen) und zu anderen (um dem Abwälzen von Schuld auf andere zu widersprechen), wenn ich diese schreckliche Unterdrückung in Angriff nehme” (um die Unterdrückung als ernsthaft zu bezeichnen).

Die Lösung der meisten Schwierigkeiten von Familien kann nicht innerhalb der Familie gefunden werden.

Alle Elternzeitschriften sind gefüllt mit jeder Art von Ratschlägen, dass, wenn du nur dies oder jenes tun würdest, alle deine Familienprobleme gelöst wären. Wie deine Zeit zu organisieren ist, wie mit Ärger umzugehen ist, wie man ein Kind an einem regnerischen Tag beschäftigt, wie man mit seinem Partner auskommt. Der komplette Blick liegt darauf, Müttern mitzuteilen, dass sie etwas falsch machen, und wenn sie es zu Hause nur besser machen würden, würden sie die perfekte Familie haben, die "jeder sonst auch hat".                             

Während uns sicherlich Informationen fehlen, liegt der wirkliche Grund, weshalb wir Schwierigkeiten mit unseren Familien haben nicht darin, dass wir fehlerhaft sind - es ist nicht, weil wir individuell verletzt wurden als wir jung waren, es ist nicht, weil unser Partner sich nicht bemüht, es ist nicht, weil wir nicht das richtige Kneterezept haben und auch nicht, weil uns gesagt werden muss, wie wir mit unserem Teenager reden sollen. Es ist, weil wir in einer unterdrückerischen Gesellschaft leben, die Eltern und junge Menschen unterdrückt. Die Grundsatzerklärung zur Elternbrefreiung zeigt klar die Natur dieser Unterdrückung und die Richtung der Befreiung auf.

Die Dinge werden sich für Familien damit, und nur damit verbessern, dass die Gesellschaft sich verändert und durch unsere Fortschritte dahin, Befreiung zu erreichen menschenfreundlicher wird. Sich ein Bild von den wahren Verhältnissen zu machen, und es mit der korrekten Sicht auf die Unterdrückung zu verstehen ist der erste Schritt. Die Entscheidung zu treffen, die Befreiung anzugehen, ist der nächste wichtige Schritt.

Alle Familien mühen sich ab

Es gibt den Mythos, dass es Menschen gibt, die vollkommenen den Durchblick haben. Die Fassade, die wir als Eltern errichten mussten, um der Welt ins Gesicht zu sehen, hat nicht nur zu viel Selbsttäuschung und Vortäuschung in den Familien selbst geführt, sondern auch zu Isolation zwischen den Familien. Die Vorstellung, dass Familien abgegrenzte Bereiche sind, in die niemand eindringen kann oder darf, genauso wie die zumeist respektlose Annäherung der Leute die versuchen, sich bei Familienschwierigkeiten einzubringen, hat diese Isolation weiter verstärkt. Während viele Familien, für deren Angehörigen einer der besonders unterstützenden Orte ist, sind diese selben Familien oft höllische Plätze. Das Gewebe der Gesellschaftsstruktur selbst muss sich ändern, um es Familien zu ermöglichen, das zu sein, was sie sein können und sollten, und um Eltern die Möglichkeit zu bieten, junge Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten, mit ihrem Gefühl von Wert und mit ungefesselter Kraft vollständig intakt.

 "Keine Grenzen für Frauen“ gilt auch für Mütter

Das Konzept von Zurückstellung ist schädlich für Mütter. Ich ermutige jede Mutter, das Frauenversprechen für sich in Anspruch zu nehmen. Es gibt so viele verschiedene Arten Mutter zu sein, wie es Mütter gibt. Unsere Aufgabe ist es, Verbündete zu sein für junge Menschen, und das kann in verschiedener Weise geschehen. Erziehen und Fürsorge ist ein wichtiger Teil unserer Aufgabe; mindestens genauso wichtig ist es, unsere jungen Menschen mit unserem eigenen erfolgreichen und glücklichen Leben zu inspirieren, und mit unserer Hingabe darin, alle Vorkommnisse zu beenden in denen Menschen andere Menschen verletzen.

Wir haben die Gelegenheit, ein neues Modell vorzuleben, und aus unserem Leben alles zu machen, was wir uns vorstellen.

Väterbefreiung

Väterbefreiung ist sicher von großem Interesse für Mütter. Sich separat zu treffen, hat uns erlaubt über den Sexismus in unseren Beziehungen zu entlasten und uns zu verpflichten, Verbündete für Väter zu sein.

Die Väter in der NC- Gemeinschaft haben uns beobachtet und schätzen sehr, was wir herausgefunden haben.

Es scheint sehr verbreitet zu sein, dass Mütter und Väter sich gegenseitig nicht gut verstehen; und dass sie sich, wenn es in der Familie schwierig wird, anfangen gegenseitig zu beschuldigen und zu attackieren. Weil der Mythos ist, dass Lösungen innerhalb der Familie liegen, und du weisst das du dein Bestes gibst, muss die andere verantwortliche Person das Problem sein.

Ich habe einen Wochenendworkshop „Mütter und Väter“ vorgeschlagen, wo wir uns an einem Tag auf Väterbefreiung konzentrieren mit den Müttern dabei als Verbündete. Und dann am nächsten Tag auf Mütterbefreiung mit den Vätern als Verbündete. Ich würde den Workshop gerne gemeinsam mit einem Vater leiten.

Im Gespräch und beim Counseln mit den Vätern in unserer Gemeinschaft kam heraus, dass es besonders schwierig für sie ist mit der Väterbefreiungsarbeit zu beginnen. Ihre Lebensbedingungen machen es ihnen noch besonders schwer. Schließlich habe ich beiden – Müttern und Vätern – die Frage gestellt: “Sollen Mütter die Väterbefreiung leiten?“ Die Diskussionen und die Entlastung waren interessant. Die einzige Sorge scheint die Verwirrung über das Mitwirken am Sexismus zu sein. Aber beim Entlasten über diesen Teil scheinen die Leute zu sagen: “Warum nicht, auf jeden Fall. “Ich denke, dass die einzige Antwort ist: “Ja“. Mütter werden nicht ohne die Väter befreit sein. Es scheint, dass starke Verbündete für die Väter gebraucht werden, und keiner hat ein stärkeres Interesse als wir Mütter.

Ich habe mich entschieden, für die Väterbefreiung zu sorgen und als ersten Schritt dazu, habe ich begonnen meine Beziehungen mit den Vätern, die ich kenne, zu festigen, Fragen zu stellen, zuzuhören und meine Sichtweise über Elternbefreiung mitzuteilen. Ich bin mittendrin mit regionalen Leitern darüber zu sprechen, eine Mütter- und Väterunterstützungsgruppe zu leiten, mit einem Vater dabei, der mir assistiert. Es sieht so aus, als ob Nick Whatley und ich bald in der Lage sein werden, das zu tun. Außerdem möchte ich irgendwann in den nächsten sechs Monaten einen kleinen Workshop machen (fünf Väter und fünf Mütter).

Eltern sind Aktivisten für den Frieden

Friedensarbeit war meine Leidenschaft, lange bevor ich Mutter wurde. Jahrelang habe ich versucht, Friedensarbeit zusätzlich zu meinem Elternsein zu tun – zum Schaden für mein Eltern sein. Als ich vor ein paar Jahren eine Nicht-NC-Unterstützungsgruppe für Eltern, die Friedensarbeit machen, angefangen habe, wurde mir allmählich klar, dass Elternsein allein bereits Friedensarbeit ist. Gwen Brown[3] hat einmal gesagt, dass wir Frieden haben werden, wenn wir eine mitfühlende Generation heranziehen. Das traf mich wie der Blitz. Alle meine Arbeit, die ich als Elternteil mache, verfolgt das Ziel, dass meine Kinder in einer bestmöglichen Welt leben, und dass sie mit soviel wie möglich ihr zur Verfügung stehenden Menschlichkeit aufwachsen. Ich kann mir keine Friedensarbeit vorstellen, die unentbehrlicher, grundlegender und machtvoller wäre, als Eltern zu sein.

[1] Maine ist ein USA Bundesstaat.

[2] Das Versprechen gegen Vortäuschung - in "The List", Harvey Jackins, Seite 3 des Anhanges

[3] Gwen Brown ist die Internationale Befreiungsreferenzperson für Menschen die arm aufgewachsen sind.

Rational Island Publischers (Hg.): Present Time. Datum unbekannt. Seattle.

Übersetzt von Mechtild Steinhauer, Sabine Zeller, Ulla Meyer und Uta Allers


Last modified: 2017-06-14 10:36:17-07